„MANTRAILING, TRAINIEREN UND GENIEßEN“ TEIL IV - SONNTAG: TOM´S ERSTE TRAINERSTUNDE

Meine erste Trainingsstunde hatte ich mit Heidi, einer 12 Monate alten Appenzeller-Sennen-Hündin, welche vorrangig das „Problem“ der Leinenführigkeit in das Training mitgebracht hat. Zusammen mit ihren beiden Menschen, hatte sie nun einige Trainer durch und war letzten Endes bei Miriam angekommen, um an den vielen kleinen Baustellen zu arbeiten. In meiner Stunde sollte es nun um die Leinenführigkeit gehen, aber um mal ein paar Einblicke zu geben woran sonst so gearbeitet wird: Mensch- Hund-Begegnungen gelassen und ohne Bellen meistern, Besuch bekommen ohne Bellen, Auslastung – z.B. durch Mantrailen und die Orientierung am Menschen. 

Heidi ist also ein kleines Paket an tollen Aufgaben und Möglichkeiten – und ich muss gestehen, es ist mir wirklich nicht leicht gefallen nur bei meiner Baustelle „Leinenführigkeit“ zu bleiben, da zum einen Vieles ineinandergreift und zum anderen die Arbeit mit Heidi großen Spaß gemacht hat, sodass ich am liebsten alle Fässer gleichzeitig aufgemacht hätte. Aber da ich nur eine Stunde hatte, war dies leider nicht möglich.

Ich überlegte mir im Voraus eine Übung, welche ich mit in das Training bringen wollte, da es einer der Wünsche war, dass sich die Trainings-Einheiten in den Alltag integrieren lassen, sowie noch zwei Plan B-Alternativen, falls etwas nicht umsetzbar ist oder aber wir noch Material brauchen sollten. 

Als Plan A sollten die Menschen von Heidi die Trainingseinheiten klar abgrenzen, in ihrem Fall durch ein Absitzen lassen und dann umklipsen der Leine vom Geschirr zum Halsband. Dies soll dem Hund den Kontext vermitteln „ab jetzt musst du leinenführig laufen“. Hunde verstehen dies sehr gut und die Menschen hatten dies bereits mit Miriam angefangen umzusetzen. 

Nach dem Umklipsen bekommt der Hund eine Freigabe und die eigentliche Leinenführigkeits-Übung beginnt. Der Mensch soll sich nun Fixpunkte auf dem Weg suchen, dies können Laternen in der Stadt oder Bäume auf dem Feld-/Waldweg sein, auf welche man zulaufen kann. So merkt der Hund, dass der Mensch einen Plan hat und geht meistens mit – schließlich scheint sein Sozialpartner etwas Wichtiges vor zu haben. 

Nach einem kurzen Gespräch am Anfang des Trainings, in welchem wir die Übung besprochen haben, konnten wir mit dem Training beginnen. Da Heidi sich manchmal sehr schnell hochspult und dann die Konzentration nachlässt, haben wir vor jeder Übungssequenz einen Timer auf vier Minuten gestellt, damit wir die einzelnen Sequenzen rechtzeitig und positiv beenden, bevor Heidi überfordert ist. 

Heidi mit sehr wenig Ablenkung - so soll es eigentlich immer sein...
Heidi regt sich bei Ablenkung sehr schnell auf...

Im speziellen Fall „Heidi“ sollten die Menschen sie auch am Anfang einladen mitzukommen, damit sie sich darauf einstellt,  sich an ihren Menschen zu orientieren. (Hierbei hatte ich bei der Vorbereitung die meisten Bauchschmerzen, da es ja sein könnte, dass sie lieber weiter ihr eigenes Ding macht und mir als Plan B hierfür ein Orientierungstraining überlegt. Aber schon nach kürzester Zeit hat Heidi gemerkt – „jetzt passiert etwas“ und ist mit ihrem Herrchen mitgelaufen.) Für den ersten Durchgang haben wir noch sehr viele Richtungswechsel eingebaut, damit Heidi sich auf die Übung einstellen kann, sich konzentrieren muss und auch kognitiv ausgelastet wird – Auslastung ist bei ihr ja auch ein Punkt, welcher für ihr Training insgesamt eine große Rolle spielt.

Auch sollte das Herrchen bestenfalls schon die ersten Erfolgserlebnisse haben, wenn der Hund sich orientiert – und siehe da: Es hat sogar sofort geklappt (die Ausbildung funktioniert – was ein Glück), sodass wir die erste Übungssequenz erfolgreich beenden konnten. Dann Absitzen, die Leine wieder an das Geschirr klipsen und Heidi konnte kurz Pause machen. Nun konnte ich ein kleines bisschen Feedback geben, bis zur nächsten Übungssequenz. Wir begannen die Strecken zu verlängern und konnten zum Ende hin sogar noch ein paar Menschen als Ablenkung in die Situation einbauen.

Alles in allem war ich sehr erleichtert, dass alles so gut geklappt hatte, da man ja vorher nie weiß, was da auf einen zukommt. Wenn man so einen gemeinsam mit den Haltern erstellten Anamnese-Bogen liest, klingt das ja schon ein bisschen nach: „Gremlin, nach Mitternacht ins Wasser gefallen und ein bisschen aufgedreht, sucht Trainingspartner.“

Insgesamt hat sich nicht nur gezeigt, wie gut man durch die vielseitige, umfangreiche praktische und theoretische Wissensvermittlung seitens Ziemer & Falke bereits gelernt hat und auf solche Situationen vorbereitet ist, sondern auch wie schnell Hunde mitarbeiten, wenn man die Learnings für sie interessant gestaltet.

Vor allem ist Heidi ein sehr aktiver Hund, der gerne mitarbeitet. Sie hat dadurch auch dem Herrchen einen guten Motivationsschub mitgegeben. Am Ende war es für alle ein positives Ergebnis. Leider kann ich jetzt nicht 100%-ig mitverfolgen, wie es bei Heidi weitergeht, da nach dieser Stunde Miriam das Training weiterführt. Aber ich werde bei Gelegenheit mal fragen wie es weitergegangen ist.

Vormachen...
...Nachmachen 😉

Was ich aus diesem Training noch besonders gelernt habe ist, dass es wichtig ist nicht zu viel auf einmal anzufangen. Gerade so ein Hund wie Heidi, bei dem es viele Baustellen gibt, verleitet leicht vieles gleichzeitig anzufangen. Dies ist jedoch für Menschen und Hund nicht der optimale Weg. Wenn man zu schnell zu viel umsetzen will,  wird man schnell ein Chaos anrichten und Hund und Menschen überfordern. Hier gilt eher das Sprichwort, den veganen Avocado-Elefanten verspeisen wir einen Happen nach dem anderen und nicht in einem Stück. Gerade wenn Halter viele Fragen haben, kann man sich schnell verzetteln, erklärt zu viel und der Trainingsteilnehmer nimmt drei halbe Übungen mit nach Hause statt eine Ganze, welche er dann mit dem Hund in Ruhe üben könnte. Natürlich gibt es hier sicherlich auch Kunden, die schneller sind als andere, aber man sollte auf jeden Fall jede Übung fachlich korrekt vermitteln und sich die nötige Zeit nehmen.

Als Fazit kann ich auf jeden Fall positiv in die Zukunft blicken, da einem so ein Sprung in das kalte Wasser jede Menge Angst nehmen kann. Auf einmal wird aus einem abstrakten Theoriekonstrukt „Trainingsstunde“ etwas Greifbares und wenn man erstmal damit angefangen hat, mag man garnicht mehr aufhören 🙂

Bis demnächst – Tom 🙂

INFO: Werbung, da "Die Hundephilosophin" genannt wird. Wir werden euch keine Produkte oder Dienstleistungen empfehlen, welche wir nicht selbst getestet haben und von denen wir nicht überzeugt sind! Wir selbst haben schon viele Trainingsstunden bei Miriam absolviert und waren immer sehr zufrieden.

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