„MANTRAILING, TRAINIEREN UND GENIEßEN“ TEIL III - SONNTAG: CARO´S ERSTE TRAINERSTUNDE

Miriam hatte Tom und mir im Vorfeld Anamnese-Bögen zu je zwei Hunden zukommen lassen, mit denen wir unsere ersten Erfahrungen als Trainer erproben konnten. Für mich hatte sie u.a. Henry, den Weimaraner, ausgesucht.
Sonntagvormittag war es also soweit. Wir trafen uns alle (das waren Henry´s Herrchen Anita und Jochen, sowie Miriam, Eva, Anna, Tom und ich) diesmal am Eichwald auf dem Waldrastplatz, der eine geeignete Fläche für das Training darstellte. Aus der Anamnese wusste ich, dass Henry ein 6 Jahre alter, unkastrierter Rüde ist, der vor einigen Jahren ein traumatisches Erlebnis mit einem Wespennest und zahlreichen Stichen (insbesondere im Gesicht) erlitten hatte. Dazu kam auch ein kleiner Autounfall und dass er als Welpe sowohl vom Züchter (Jäger) als auch von der Hundemutter ein recht hartes Handling erlebt hatte. Weiterhin hatten seine Halter bereits einige sehr namenhafte Trainer besucht und dabei sehr unschöne und auch kränkende Situationen erlebt, die das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl der Halter sehr verletzten. Mit diesem Hintergrundwissen (hier nur ganz grob skizziert) stellte ich mir einen sehr ängstlichen und nervös-angespannten Hund vor, zu dem es nicht leicht würde Kontakt aufzunehmen und Halter, die von Hundetrainern bereits sehr enttäuscht und sogar persönlich beleidigt worden waren. Da ich Henry am Samstag bereits beim Mantrailing erleben konnte (er spürte mich z.B. auch einmal auf), bestätigte sich der Eindruck aus der Anamnese nur teilweise: Henry wirkte auf mich eigentlich sehr gefasst und durchaus kontaktfreudig und entleerte nicht panisch seine Analdrüse (wie bei Vorgängern), als ich ihn zart am Kopf streichelte, nachdem er interessiert meinen Futterbeutel beschnüffelt hatte und war auch sonst im Kontakt mit den anderen nicht auffällig oder schreckhaft. Es schien ihm gut zu gehen. Vermutlich hatten die Tage Training bei Miriam bereits einige tolle Früchte getragen. Die Aussage einiger Trainer, es handele sich um einen sch**** Hund (insbesondere aufgrund der Rasse) oder „Problemhund“ ließ sich für mich überhaupt nicht erklären.

Was war da nur los? Irrte ich mich? Wie sollte ich mit diesem Hund trainieren, wenn ich ihn nicht einschätzen kann? Wie sollte ich die Situation insgesamt einschätzen können, wenn alles so konträr erschien? Mich beschäftigte diese Sache so sehr, dass ich noch Samstagabend wütend beschlossen hatte, mich einfach auf mein Bauchgefühl zu verlassen. Und nur auf das.
Nun standen wir also Sonntagvormittag auf einer freien Fläche am Waldrand und Miriam, Tom, Eva und Anna schauten mir bei dem Training über die Schulter. War ich aufgeregt..! Das für mich Wichtigste für den Anfang war: Sage diesen beiden Menschen, dass Du sie bewunderst. Bewunderst, weil sie all diesen schlechten Eindrücken, Beleidigungen und Kränkungen zum Trotz immer wieder den Mut fanden sich an jemanden zu wenden. Dass sie sich und Henry nicht aufgaben, egal was irgendein angeblicher „Fachmensch“ gesagt hatte. Dass sie Glauben hatten und ihn behielten. Dass sie weiter Hilfe suchten, so hart das sicher auch war. Und als Nächstes: Sage diesen Menschen was DU siehst. Keinen „Problemhund“, der „eingeschläfert gehört“, kein ängstliches Harscherl – sondern einen – im Gegenteil! -gefassten und widerstandsfähigen Hund, der beachtliche Leistung erbringt, ein Hund mit sehr viel Potenzial – einen Hund, dem man vertrauen kann und der gern mit seinem Menschen arbeitet. Denn genau das war es, was ich wahrnahm. Und diese beiden Menschen reagierten auf meine Selbstoffenbarung. Hatten Tränen in den Augen und fühlten sich gesehen. Ich wollte, dass sie mir vertrauten, dass sie wussten, dass sie gesehen und ernstgenommen werden. Eine neue Sicht auf die Situation anbieten. Sie motivieren und aufbauen. Das Erlebte soweit es möglich ist hinter sich zu lassen und neu anzufangen, im Hier und Jetzt neu zu starten, das wünschte ich mir von den beiden und schlug es für unser Training vor. Bevor wir besprachen, woran sie genau an Henry´s Leinenführigkeit arbeiten wollten, nahmen wir je Anita und Jochen beim Laufen mit Henry auf Video auf. Zum einen, um den beiden den IST-Zustand zu zeigen, auch um mir selbst ein Bild davon zu machen und um fragen zu können, was sie gern noch am IST-Zustand verändern/verbessern möchten.

Es stellte sich die Orientierung am Mensch und weniger Zug auf der Leine bzw. ein entspanntes Laufen an der Leine als Ziel heraus. Zunächst machte ich Anita kurz vor, welchen Unterschied es macht, ob ich bei einem ablenkenden Reiz „provisorisch“ in die Leine greife (zwei Hände an der Leine, Umwickeln, Festhalten, etc. = Kommunikation für den Hund, sprich: Spannung auf der Leine und Spannung kann bedeuten Gefahr, Abwehr, Angriff; was sich zum Beispiel als Ziehen und Vordrängen des Hundes bemerkbar machen kann), in dem ich sie angespannt und rüttelnd an der Jacke festhielt, während ich ihr gleichzeitig nervös sagte, dass „alles okay sei“ und dass sie ruhig bleiben kann; oder ob ich eine lockere, entspannte Hand an ihrer Jacke habe, sie kurz freundlich anspreche und sie dann aufmunternd in eine andere Richtung leite, weg vom Reiz. Sie verstand den Unterschied sofort und auch, dass sie als Halterin viel Einfluss auf Henry´s Reaktion hat. Für die Leinenführigkeit machten wir zwei Orientierungsübungen, die sie noch nicht kannte und Anita strahle bereits dabei schon über das ganze Gesicht, sie hatte Spaß dabei. So ein Glück!! 🙂 Sie ließ sich toll auf alles ein, was ihr sagte und bot auch von sich aus z.B. Tempo-Variationen und duales Feedback an, woran man erkannte, dass sie bereits trainingserfahren waren und auch bei Miriam schon Einiges erarbeitet hatten. Henry fand das Training mit Anita richtig spitze und reagierte einfach klasse! Auch bei Ablenkungen blieb er völlig cool. Die Orientierung an Anita war ratzifatzi zu sehen, er war wachsam und lief ausgesprochen gut mit ihr mit. Ich konnte Anita soooo viel loben, war das wunderbar.:) Schnell konnte ich Anita bereits vorschlagen die Schleppleine immer kürzer zu nehmen, um dann irgendwann nahezu die Länge zu haben, die sie auch auf einem Spaziergang nutzen – ich wollte, dass die Lücke zwischen dem Schleppleinen-Training (Trainingssituation) und dem Gehen an der City-Leine (Alltagssituation) so klein wie möglich ist, dass Anita fühlt, dass ein Laufen an kürzerer Leine ohne Ziehen absolut möglich ist.

Und sie war so überrascht, dass das wirklich funktionierte, ein Laufen mit Henry ohne Zug auf der Leine – dazu Anita´s gelöste, motivierte und positive Stimmung, ihr Strahlen und wie stolz sie am Ende des Trainings war, was für ein tolles Gefühl. 🙂 Ich hätte niemals gedacht, dass dieses Training so gut verlaufen würde, hatte ich im Vorfeld doch solche Bauchschmerzen deshalb gehabt. Man weiß ja nie, wie Situationen ausgehen, man kann nur sein Bestes geben. Dass diese erste Erfahrung als angehender Trainer so positiv war (wobei ich bestimmt auch Unsauberkeiten dabei hatte), weiß ich unglaublich zu schätzen. Besser hätte das kaum laufen können, ich bin so dankbar.
Das größte Lob für mich war, dass Tom auf der Rückfahrt zu mir sagte „nach Deinem Training hab selbst ich mich richtig gut gefühlt“ und wenn er so etwas sagt – er vergibt sein „Gütesiegel“ selten und bedacht – dann weiß ich wirklich, dass es gut war. 🙂

INFO: Werbung, da "Die Hundephilosophin" genannt wird. Wir werden euch keine Produkte oder Dienstleistungen empfehlen, welche wir nicht selbst getestet haben und von denen wir nicht überzeugt sind! Wir selbst haben schon viele Trainingsstunden bei Miriam absolviert und waren immer sehr zufrieden. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.